Eine Einschätzung zur Arbeitswelt von morgen

Die ganz normale Normalität

Normal ist es ins Büro zu gehen. Normalerweise dürfen wir kein Homeoffice machen, nur in Ausnahmefällen. Ich sehe meine Kollegen sowieso im Büro. Mit den Kollegen aus anderen Ländern habe ich lediglich per Mail Kontakt – ab und zu mal einen Call. Normal? Was ist denn überhaupt ein normaler Arbeitsalltag? Was eine normale Arbeitsumgebung und -atmosphäre? Normal definieren viele als das, was auf den Großteil von uns zutrifft. Obige Aussagen hätten Anfang des Jahres vermutlich noch viele so unterschrieben.

Corona ist nicht normal. Corona hat plötzlich die Normalität aus den Fugen gehoben. Verhaltensschemata, die aus Gewohnheit und Tradition entstanden sind, wurden durchbrochen. „Das wird hier eben anders gehandhabt“ war plötzlich kein Argument mehr. Unternehmen haben sich an die Situation und die neuen Gegebenheiten angepasst und das oftmals in einem beachtlich rasanten Tempo. Mitarbeiter und Führungskräfte mussten sich umstellen, den neuen Rahmenbedingungen anpassen. Und somit wurden plötzlich andere Dinge normal. 100% Homeoffice, Arbeit in Teilzeit, Videokonferenzen in Freizeitkleidung, digitale Lunchdates.

 

Der Mensch als Gewohnheitstier

Durch unsere festgefahrenen Gewohnheiten vergessen wir gerne zu reflektieren, ob andere Arbeitsweisen nicht vielleicht erstrebenswerter wären. Mehr Zeit für die Familie durch den Wegfall des Arbeitsweges im Homeoffice, Verbundenheit im Team unabhängig vom Wohnort des Mitarbeiters durch digitale Vernetzungswege aber auch die Einfachheit von Lösungsfindungen in physischen Meetings. Unsere Arbeitsumgebung gestaltet sich nicht nach dem, was in der aktuellen Situation für das jeweilige Team oder den individuellen Mitarbeiter am besten ist. Regeln, Muster und Gewohnheiten bestimmen wie wir miteinander arbeiten. Ein Verhaltenskodex definiert feststehende Unternehmenswerte, der Top-Down-Ansatz die strategische Zielrichtung. Die 5-Jahres-Agenda bestimmt die kommenden Schwerpunktthemen und die Verteilung des Budgets.

Aus den Erfahrungen der letzten Monate können wir lernen, dass alle jederzeit aus ihrer Normalität ausbrechen können. Anstatt Gewohnheiten unsere Arbeitsumgebung bestimmen zu lassen, sollte sich Unternehmen wie auch jeder einzelne Mitarbeiter stetig hinterfragen. Die individuelle Situation des Teams wie auch jedes Mitarbeiters sollte über die Rahmenbedingungen des Arbeitsalltags und die Art und Weise der Kollaboration entscheiden. So können flexibel und individuell optimale Lösungen gefunden werden.

 

Digital & Agil – Die Schlagworte mit Leben füllen

Die Digitalisierung sowie ein agiles Mindset eröffnen uns vollkommen neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Tools als Begleiter unserer täglichen Arbeit sowie agile Projektansätze ermöglichen innovative Produktentwicklungen trotz minimalen Ressourceneinsatzes. Es wird Zeit, dass wir uns diese Möglichkeiten noch mehr zunutze machen und so unsere Arbeitswelt von morgen gestalten. Hier drei wünschenswerte Zukunftsentwicklungen:

  • Unabhängigkeit von Wohn- und Arbeitsort:

VPN, Slack, Trello und Teams machen es möglich. Und nicht nur wird hierdurch das Problem von Pendeln und langen Arbeitswegen gelöst, möglicherweise würden sich wieder mehr Menschen dazu entschließen, aufs Land zu ziehen und die überstrapazierten Ballungszentren würden entlastet. Gesellschaftliche Problematiken werden adressiert und flexibel auf Bedürfnisse von Mitarbeitern eingegangen.

  • Lebensphasenmodelle:

Je nach der Phase, in der sich ein Mitarbeiter aktuell befindet, sollten ihm flexiblere Arbeitsmodelle angeboten werden. Sowohl in Bezug auf die Stundenanzahl, als auch hinsichtlich Homeoffice und Reisetätigkeit. Dies könnte sich positiv auf eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und damit eine höhere Mitarbeiterzufriedenheit auswirken.

  • Physische Distanz ungleich soziale Distanz:

Das „Wir“ muss durch physische Distanzierung noch mehr in den Vordergrund rücken. Die zwei zuvor genannten Entwicklungen müssen nicht mit einer Entfernung der Mitarbeiter voneinander einher gehen. Digitale Kommunikationskanäle können und müssen zur Stärkung der menschlichen Bindungen eingesetzt werden. Gemeinsame virtuelle Erlebnisse können einfach in den Arbeitsalltag eingebunden werden und eine stetige Nähe und Verbundenheit schaffen. Digitale Lunchdates, online Workshops und virtuelles Afterwork – sinnvoll und regelmäßig eingesetzt mit großen Effekten.

 

Mein „New Normal“

Was ist denn nun das „New Normal” und ist Normalität überhaupt erstrebenswert? Wie die Arbeitswelt von morgen aussieht haben wir selbst in der Hand. Mein „New Normal“ ist weg von einer Normalität und hin zu flexiblen und individuellen Lösungen. Die Digitalisierung bietet uns ein unglaubliches Handwerkszeug um fast alles möglich zu machen. Wir müssen es nur wollen und eben auch machen. Hierzu ist ein offenes Mindset von Unternehmen, Führungskräften und Mitarbeitern essentiell.

 

Angelika Vits | Co-Founder & CEO bei GREWP