Die Entwicklung eines Algorithmus zur bedarfsgerechten Zuordnung von Teambuilding-Aktivitäten

Die individuellen Needs von Teams

Teambuilding wird aus ganz unterschiedlichen Gründen nachgefragt. Sei es aufgrund von Problemen in der Zusammenarbeit, eines fehlenden Teamspirits oder weil eine gemeinsame Gruppenaktivität Abwechslung zum Arbeitsalltag bieten soll. Bei der Buchung einer Teambuilding-Maßnahme spielen die individuellen Bedürfnisse und Erwartungen eines Teams eine entscheidende Rolle. Aus dem Englischen lässt sich dafür der Begriff Need (Bedarf) übernehmen.

Gleichzeitig gibt es ein breites Spektrum an verschiedenen Teambuilding-Aktivitäten, welche unterschiedliche Skills und Kompetenzen eines Teams adressieren. So spielen bei einem gemeinsamen Escape Room Kommunikation und Kooperation eine große Rolle, während der Fokus beim Virtual Yoga auf Entspannung und Belohnung liegt. Doch wie kann das passende Teambuilding ausgewählt werden, welches die Needs des Teams anspricht?

Aus der Diversität der Team-Needs und dem vielfältigen Angebot an Teambuilding ergibt sich die besondere Wichtigkeit bei der Planung einer Aktivität: die individuellen Bedürfnisse des Teams zu kennen und entsprechend ein geeignetes Event auszuwählen (siehe hierzu Kaevney, 2016 & Lacerenza et al., 2018). Um die Planung und vor allem die Auswahl der passenden Teambuilding-Aktivität zu erleichtern, wird jedes einzelne Event auf www.grewp.de mit fünf Needs ausgezeichnet, welche im Rahmen der Aktivität am stärksten adressiert werden (siehe Abbildung 1). Kunden soll es so möglich sein, bei der Suche nach einer Aktivität zu vergleichen, auf welche Bedürfnisse das Event besonders eingeht und welche eher bei anderen Events angesprochen werden.

 

Grewp Needs Skala für Biertasting

Abbildung 1. Aufgelistete Needs und deren jeweilige „Stärke“, angezeigt durch Sterne von 0-5 am Beispiel „Online Biertasting“.

 

Dieser Zuordnung lag bisher eine erfahrungsbasierte subjektive Einschätzung zugrunde. D.h. die Events wurden intuitiv mit Needs ausgezeichnet und bewertet. Das Ziel: eine einheitliche Systematik für die automatisierte Bewertung der Teambuilding-Aktivitäten zu entwickeln.

Von subjektiver Einschätzung hin zum Algorithmus

Für die Entwicklung dieses Algorithmus’ haben wir zunächst festgelegt, um welche Needs es gehen soll und wie Events automatisch mit diesen verknüpft werden können. Im ersten Schritt haben wir einen Pool an möglichen Needs angelegt, gespeist aus erfahrungsbasiertem Wissen und theoretischer Forschung im Bereich Teambuilding. Nach mehrmaligem Reduzieren und Zusammenfassen haben wir 12 verschiedene Teambuilding-Needs definiert, darunter z.B. Kommunikation verbessern, Neue Mitarbeiter integrieren oder Spaß haben. Die 12 verschiedenen Bedürfnisse für Teambuilding haben wir in drei Bereiche kategorisiert. Diese beziehen sich auf die unterschiedlichen Phasen, in denen ein Team einen Bedarf an Teambuilding haben kann:

Plant – die Anfangs- und Teamgründungsphase. Das Team muss zusammenfinden und grundsätzliche Voraussetzungen für die weitere Zusammenarbeit schaffen.

Grow – Die Wachstumsphase. Das Team besteht, möchte sich aber verbessern, um noch besser zusammen arbeiten zu können.

Earn – Das Team funktioniert und hat sich eine Belohnung verdient.

Jedes Team kann unabhängig der Zeit seines Bestehens in jede dieser Phasen rutschen und wird dabei von entsprechenden Needs dominiert.

Im zweiten Schritt haben wir Eigenschaften festgelegt, die auf Teambuilding-Events anwendbar sind. Die ausgewählten 18 Eigenschaften, darunter beispielsweise Kreativität erforderlich und unterhaltsam, lassen sich in Bezug auf jede einzelne Aktivität als zutreffend oder nichtzutreffend angeben. Daraus ensteht für jedes Event ein individuelles Eigenschaftsprofil.

Für die Verknüpfung von Needs und Eventeigenschaften wurde eine Matrix angelegt. Der Ergebniswert gibt an, welche Art von Zusammenhang zwischen einem entsprechenden Need und einer Eigenschaft besteht. Ein Beispiel dafür sind das Need Kommunikation verbessern und die Eigenschaft kommunikationsintensiv. Hier wird deutlich, dass ein Teambuilding-Event kommunikationsintensiv sein sollte, um die Kommunikation des Teams anzuregen und zu stärken.

Der gegensätzliche Zusammenhang ist z.B. der von dem Need Neue Mitarbeiter integrieren und der Eigenschaft Kreativität erforderlich: für die Integration neuer Kollegen in ein Team bedarf es nicht notwendigerweise eines Teambuildings welches Kreativität erfordert. Mit vier verschiedenen Ausprägungen wurden die unterschiedlichen Zusammenhänge zwischen den 12 Needs und den 18 Eigenschaften in einem mehrstufigen Verfahren eingeschätzt. Die daraus resultierenden 216 Verknüpfungswerte bilden die Grundlage für die Systematik.

Das Ergebnis ist die Needs-Skala von GREWP. Jene Needs, die am stärksten angesprochen werden, werden bestimmt und nach ihrer „Passung“ priorisiert. Die Skala wird für jedes Teambuilding im Steckbrief des Events angezeigt.

Durch Automatisierung Mehrwert schaffen

Die automatisierte Zuordnung von Teambuilding Needs zu entsprechenden Teambuilding-Events konnte erfolgreich durch die Entwicklung einer Systematik bewerkstelligt werden. Es bedurfte im Vorhinein einer Festlegung von verschiedenen Needs und verschiedenen Eventeigenschaften, sowie einer möglichst realistischen Verknüpfung dieser zwei Variablen. Endergebnis ist ein Algorithmus, welcher mit der Beschreibung eines Events gefüttert werden kann und auf dieser Basis die Needs ausgibt, die das Event bedient. Somit ist ein Werkzeug entstanden, mit dem Teambuilding Needs einheitlich und systematisch Events zugeordnet werden. Bisher basierte dieser Prozess auf weitgehend subjektiven und uneinheitlichen Einschätzungen.

Durch diese Automatisierung und die kontinuierliche Weiterentwicklung und Optimierung des Algorithmus kann die Verknüpfung von Events und Needs immer präziser abgebildet und die Auswahl der passenden Teambuilding-Maßnahme erheblich erleichtert werden. Diese Innovation führt im Ergebnis dazu, dass Teambuildings durch Unternehmen wesentlich strategischer eingesetzt werden können. GREWP zielt mit der Skala darauf ab, langfristige positive Entwicklungen bei Teams planbar und steuerbar zu machen.

Literatur

Keavney, A. (2016). Team building strategies. Training & Development, 43(2), 26. Abgerufen unter: http://elemental-projects.com.au/wp-content/uploads/2016/04/Team-Building-Strategies.pdf

Lacerenza, C. N., Marlow, S. L., Tannenbaum, S. I., & Salas, E. (2018). Team development interventions: Evidence-based approaches for improving teamwork. American Psychologist, 73(4), 517. https://doi.org/10.1037/amp0000295

Rasmus Sinn | Werkstudent Business Psychology bei GREWP