Du sitzt im Homeoffice, hast ein stundenlanges Meeting, kennst die Teilnehmenden nur teilweise und fragst dich, wer hinter den Kameras steckt? Die Atmosphäre eines Meetings oder einer Schulung profitiert immens durch die Lockerheit und die Stimmung der Gruppe. Doch wie lässt sich diese aktiv positiv beeinflussen?

Die große Anonymität

Bis Anfang 2020 gab es das Problem der Anonymität nur selten. Bei Meetings oder Schulungen lernst Du die Teilnehmenden bereits bei der Ankunft kennen oder durch die Frage, ob der Stuhl noch frei sei. Die Kaffeeküche fungiert als zentraler Treffpunkt für kurzen Small Talk in alltäglichen Arbeitspausen. Was im „Prä-Corona-Alltag“ im Büro oder bei Schulungen ganz natürlich war, muss bei Online-Meetings aktiv erzeugt werden.

Gleiches ist auch mir als Studentin bekannt. Gerade beginnt das dritte digitale Semester. In Seminaren arbeiten wir mit anderen Studierenden zusammen, die wir vorher noch nie gesehen haben. Wir werden einander wahllos zugeteilt und wissen nicht, wie unser Gegenüber arbeitet, welche Stärken und Schwächen er/sie in eine Gruppenarbeit einbringen kann. Irgendetwas muss sich ändern, um trotz der persönlichen und räumlichen Distanz motiviert und produktiv zusammenzuarbeiten.

Um dieser Herausforderung zu begegnen, müssen Meetings anders eingeleitet beziehungsweise unterbrochen werden. Ein sinnvolles Medium hierfür sind „Icebreaker“.

Was sind Icebreaker und wann werden sie eingesetzt?

Unter „Icebreaker“ versteht man kurze Spieleinheiten, die zwei Vorteile mit sich bringen. Zum einen lernt Ihr Euch gegenseitig besser kennen, zum anderen helfen Icebreaker dabei, die Stimmung in langen Meetings aufzulockern und die Konzentration zurückzuholen. Icebreaker lassen sich sowohl in physischen als auch in virtuellen Events einsetzen.

Angenommen, ein neues Projekt steht vor der Tür und Dein Team besteht aus Personen, die Du nicht oder nur flüchtig kennst. Für den Erfolg eines Projektes liegt der Grundbaustein darin, gemeinsam als Team zu funktionieren. Ein gängiger Einstieg in die Zusammenarbeit ist daher die klassische Vorstellungsrunde – Name, fachlicher Hintergrund und private Interessen. Leider kann man sich diese Informationen in größerer Runde kaum merken – die Anonymität bleibt erhalten. Icebreaker sind gute Alternativen, um sich nachhaltig kennenzulernen und ein Fundament für ein langfristiges Netzwerk zu schaffen. Wichtig ist, dass die Teilnehmenden sich auf den Icebreaker einlassen und aus ihrer Reserve gelockt werden, um etwas Persönliches zu erzählen. Dadurch entstehen lustige und interessante Ergebnisse, die Hierarchie und Alter vergessen lassen und Dein Team vereint.

Icebreaker können unterschiedliche Effekte haben und mit verschiedenen Zielsetzungen eingesetzt werden. Von Kreativität über verbesserte Kommunikation bis hin zu mehr „WIR“ im Team.

Was bringen Icebreaker wirklich?

Welchen Effekt Teambuildingmaßnahmen haben, wird oft unterschätzt. Die Entwicklung kann nicht in Zahlen wiedergegeben werden und ist daher für viele nicht sicht- bzw. messbar.

Ein Gegenbeispiel dafür liefert Michael Norton in seiner Studie der Harvard University über Icebreaker. Im Rahmen der Studie nahmen 221 Personen in Kleingruppen von zwei bis vier Personen an einer Schnitzeljagd teil. Dabei sollen sie in 45 Minuten möglichst viele Aufgaben erledigen und davon je ein Foto machen.

Die Hälfte der Gruppen sollte vor der Stadtrallye einen Icebreaker durchführen. Dafür stellten sie sich zusammen, klatschen und stampften rhythmisch und riefen zuletzt „Auf gehts!“. Diese Gruppen konnten mehr Fotos in geringerer Zeit vorlegen und in einer Umfrage nach dem Event gaben sie eher an, ihr Team zu mögen als die andere Hälfte der Gruppen.

Was sagt uns das? Gutes Teambonding ist wichtig, um bessere Leistungen zu erzielen, erhöhte Produktivität zu erzeugen und um effizienter zu arbeiten. Prozesse verlaufen reibungsloser, teamintern herrscht gegenseitiges Vertrauen und die KollegInnen arbeiten verstärkt als Team zusammen. All das kann durch Teamentwicklungsmaßnahmen wie Icebreaker erreicht werden.

4 Ideen für Icebreaker in Eurem Online-Teammeeting

Im Folgenden stelle ich Euch 4 bewährte Icebreaker vor.

  1. Grab a thing

Du stellst die erste Aufgabe, z.B. „Fasse etwas Blaues an“. Die Teammitglieder müssen nun so schnell wie möglich ein blaues Objekt vor die Kamera halten. Der/die Letzte muss dann die nächste Aufgabe stellen.

  1. Tell a story

Fordere jedes Teammitglied dazu auf, ein persönliches Objekt zu holen und dazu eine kurze Geschichte zu erzählen. Das kann von einem Foto hin zu einem Souvenir aus dem letzten Urlaub sein.

  1. Let’s Post-it!

Jedes Teammitglied klebt ein Post-it vor die Kamera. Daraufhin werden Sätze – bspw. zu Eigenschaften oder Interessen – vorgelesen. Wenn eine Aussage auf ein Teammitglied zutrifft, wird die Kamera abgedeckt. Das Spiel endet, wenn Du wieder alle sehen kannst.

  1. Good old times

Lasse Dir vor dem Meeting Kinderfotos von allen Kolleg:Innen zusenden. Zeige die Bilder nacheinander und gib Raum zu spekulieren, wer wohl dahintersteckt.

Lasst uns Eis brechen

Bei der Auswahl eines Icebreakers gelten zwei Kriterien zu beachten. Zum einen der Zeitfaktor. Je mehr Personen am Meeting teilnehmen, desto länger können manche Icebreaker andauern und Dein Team fängt an, sich zu langweilen. Zum anderen die Heterogenität des Teams. Große Altersspannen können beispielsweise bei manchen Ratespielen zum Problem werden. Suche daher nach abwechslungsreichen, spannenden und kurzweiligen Icebreakern, die Spaß für das gesamte Team versprechen.

Icebreaker geben Euch die Chance, mit kleinen Mitteln Großes zu bewirken, in bereits kurzer Zeit die Gruppendynamik zu optimieren und eine effiziente und produktive Zusammenarbeit im Team zu erreichen. Besonders im Corona-Alltag ist es wichtig, aktiv die Distanz zu verringern und Euer Team zu vereinen. Zusammenarbeit ist mehr als nur zusammen zu arbeiten – das Team muss gemeinsam funktionieren, sich verstehen und vertrauen, um optimale Ergebnisse zu erzielen.

Tabea Weber | Praktikantin bei GREWP

Weiterführende Links:
https://time.com/4816939/colleagues-group-ritual/
https://www.scienceofpeople.com/meeting-icebreakers/