Der Geburtstag des Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag ist Memorial Day für alle Ungerechtigkeiten, die tagtäglich auf der Erde passieren.

Was macht der IStGH?

Der IStGH richtet über die schwerwiegendsten Verbrechen und Verletzungen der Menschlichkeit. Darunter fallen beispielsweise Genozide oder auch Kriegsverbrechen. Gerade in diesem Jahr, das geprägt ist von einem Angriffskrieg in einem unserer europäischen Nachbarländer, ist es uns eine Herzensangelegenheit, auch als Unternehmen nochmals auf die Missstände in der Ukraine aufmerksam zu machen und unsere Stimme zu nutzen.

Was bedeutet Ungerechtigkeit noch?

Der Internationale Tag der Gerechtigkeit ist allerdings nicht nur ein Mahntag für alle Gräueltaten im internationalen Bereich, sondern auch ein Tag zum Innehalten und zum Reflektieren. Ungerechtigkeit findet nicht nur in fernen Ländern irgendwo auf der Erde statt – sondern sie ist auch für viele Menschen in Deutschland Alltag:

Rassismus

Ich heiße Fabian Zorn – ein typisch deutscher Name, mit dem ich im Business Kontext innerhalb Deutschlands nie Probleme hatte. Als ich aber vermehrt beruflich mit chinesischen Partnern*innen arbeitete, war mein Name eine Schwierigkeit – aber anders herum natürlich auch. Meine chinesischen Kolleg*innen nutzen daher im westlichen Raum angepasste Namen, um uns der „unangenehme Situation“ mit einem phonetisch fremden Namen nicht „auszusetzen“. Als ich meinen Namen an die chinesische Phonetik (左法维 [zuǒ fǎ wéi]) angepasst habe, wurde in von Außenstehenden belächelt, wenn nicht sogar verspottet. Auf der anderen Seite stehen meine sinologischen Kollegen*innen hinter mir, die sich riesig über diesen Akt der kulturellen Wertschätzung gefreut haben – für mich also die vollkommen richtige Entscheidung.

Misogynie und Sexismus

2 von 3 Frauen sind weltweit von Sexismus oder sexuellen Übergriffen am Arbeitsplatz betroffen. Die Ergebnisse stammen aus einer Studie der Stiftung „Foundation for European Progressive Studies“ und ich, Angelika, möchte auch meine Erfahrungen schildern: Es ist warm draußen und ich trage ein langes Sommerkleid mit Blumen. Das Wetter ist schön und ich möchte am Nachmittag im Innenhof des Büros arbeiten. Ich gehe mit meinem Laptop auf die Stahltreppe hinaus, dort stehen zwei Männer und rauchen, ich muss zwischen ihnen hindurch, um in den Hof zu gelangen. Ich kenne beide nicht. Ich bin fast an beiden vorbei, da kommt ein „Hey, schönes Kleid“. Der Mann mustert meinen Körper. Ich gehe weiter. Und noch einmal: „Nein wirklich, du siehst toll aus“. Was will er? Ein „Danke“?

Trans- und Homophobie

Als Teil meiner queeren Identität, gehört für mich, Fabian, Mode zu einem der Medien, über die ich mich selbst ausdrücken und verwirklichen kann. Das bedeutet nicht, dass es mir wichtig wäre, mich von anderen abzuheben, sondern ist schlichtweg ein Element meiner kreativen Selbstentfaltung. Gerade in männerdominierten Umfeldern stößt optische Andersartigkeit oftmals zu Beginn auf Unsicherheit – aber nicht Unsicherheit meinerseits, sondern der Menschen um mich herum. Das „Annähern“ und „Socializen“ fällt schwerer, bis irgendwann das Eis gebrochen ist und in der Regel ein Spruch gefallen ist wie: „wir hätten niemals gedacht, dass so ein Paradiesvogel wie du so gut in unser Team gepasst hätte“. Und da sind wir schon beim ersten Punkt: optische Homogenität entscheidet über die Zugehörigkeit einer sozialen Gruppe oder auch nicht. Das Schubladendenken anderer wird mir dabei meist zum Problem. Und dann ist da noch der Begriff „Paradiesvogel“, also ein negativ konnotierter Vergleich mit einem Tier – seriously?

 

Mit diesem Post legen wir den Finger in die Wunde. Aber dennoch, bei all den oben genannten Punkten geht es uns nicht darum, andere zu belehren. Denn die „Angst“, in ein Fettnäpfchen zu treten, hat durch #Genderdebatte und #Identitätsfrage deutlich zugenommen. Wir möchten mit dieser Stigmatisierung brechen, denn keiner erwartet 100%-ge Korrektheit. Fehler gehören zum Lernprozess genauso wie Erfolge und sind Ausdruck eines Veränderungsprozesses – und das für sich ist schon ein Erfolg!